Jim Čert ist gestorben – seine besten Lieder aus Mittelerde bleiben uns
Eine Erinnerung an Jim Čert: Tolkien-Fandom vor Jackson, die Kraft der Übersetzung von Pošustová-Menšíková und ein Album, das immer noch funktioniert.
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Ich habe mein Leben lang eine Schwäche für reine, raue Musik – ehrlich und unverfälscht. Als mich diese Woche die Nachricht erreichte, dass uns der Liedermacher und Akkordeonspieler Jim Čert am 17. Februar 2026, kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag, verlassen hat, kamen mir sofort die Melodien seines Albums Písně Středozemě (Lieder aus Mittelerde) in den Sinn. Ich persönlich halte es für das Beste, was bei uns zum Thema J. R. R. Tolkien entstanden ist.
Čerts Aufnahme zeigt, wie Tolkien-Fandom aussah, noch bevor Peter Jackson die Filmversionen von Der Hobbit und Der Herr der Ringe drehte. Sie beweist auch, wie genial die Übersetzung von Stanislava Pošustová-Menšíková ist und wie wunderbar es ihr gelang, Tolkiens reiche Sprache in unsere Muttersprache zu übertragen.
Punk-Attitüde und Poesie
Man muss sagen, dass Jim Čert (mit bürgerlichem Namen František Horáček) ein Wirbelwind war, der das Publikum mit seinem Akkordeon sowohl mit rauen Liedern als auch mit sanften Balladen in seinen Bann ziehen konnte. Das Album Písně Středozemě, das 1998 erschien, ist der perfekte Beweis dafür.
Auf den ersten Blick würde man meinen, dass es keinen Sinn ergibt, Tolkiens Gedichte aus dem Herrn der Ringe auf einem Akkordeon zu vertonen, besonders da wir die Geschichten heute mit dem epischen Soundtrack von Howard Shore aus der Verfilmung verbinden. Aber es funktioniert unglaublich gut. Jim schaffte es, den Geist von Tolkiens Geschichten bescheiden, nur mit einem Instrument, und doch unglaublich reich und suggestiv zu vermitteln.
Als ich zum ersten Mal die Verfilmung des Hobbits im Kino sah, speziell den ersten Teil, in dem die Zwerge in Bilbos Höhle das Lied von Durins Volk singen, dachte ich mir, dass Jim Čert es einfach besser umgesetzt hat.
Ein Schatten, der nicht verschwand
Wenn man über Jim Čert spricht, kommt man nicht umhin, seine dunklere Vergangenheit in Verbindung mit der Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit (StB) zu erwähnen. Im Gegensatz zu anderen Künstlern, die ähnliche Fehler leugneten oder leugnen, bekannte sich Jim im Jahr 2007 öffentlich in einem Brief an die Medien dazu und entschuldigte sich aufrichtig. Allem Anschein nach muss ihn dieses Versagen sein ganzes Leben lang belastet und gequält haben. Ich persönlich maße mir nicht an, über ihn zu urteilen…
Eine sehr komplexe Persönlichkeit ist von uns gegangen, aber Jims Musik bleibt. Wenn du in Čerts Písně ze Středozemě reinhören möchtest, nutze diesen trüben Anlass und hör sie dir an – es ist ein wirklich wunderschönes Werk.
Jiří Reiter
Věčně punkový podnikatel, průzkumník slepých uliček, samouk, geek, fantasák, otec čtyř dětí.
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