Rezension des zweiteiligen Comics Berge des Wahnsinns
Lovecraft, Comic, Manga… Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination. Wie ist die zweiteilige Adaption des Horrorklassikers Berge des Wahnsinns gelungen?
Wir sind hier nicht allein. Das Universum, das uns umgibt und das wir nur mit unseren begrenzten Sinnen wahrnehmen, verbirgt Kräfte, die unser Verständnis übersteigen. Entitäten und Wesen, für die selbst der Tod kein endgültiges Schicksal ist, lauern in der Dunkelheit. Im Namen der Wissenschaft haben wir uns törichterweise an Orte begeben, die noch nie zuvor ein Mensch betreten hat. Was wir entdeckten, hat die Wahrnehmung der Geschichte dieses Planeten für immer verändert. Doch wir haben einen hohen Preis dafür gezahlt…
Die ursprüngliche Lovecraft-Erzählung aus dem Jahr 1936 wurde bereits mehrfach als Comic adaptiert, doch diese Version des japanischen Illustrators Gou Tanabe ist zweifellos ein Kunstwerk. Beeindruckende Zeichnungen, die Fähigkeit, die düstere Atmosphäre einzufangen, und die Horrorelemente von Lovecrafts Geschichten sind Tanabes größte Stärken. Berge des Wahnsinns ist als zweiteiliger Manga konzipiert und verleiht Lovecrafts klassischer Erzählung eine neue Dimension. Dieser Comic ist ein großartiger Einstieg sowohl in die Welt der japanischen Manga (die von rechts nach links gelesen werden, was dem üblichen Leserichtung westlicher Bücher widerspricht) als auch in Lovecrafts Horror-Universum.

Die Geschichte beschreibt eine Forschungsexpedition in die Antarktis unter der Leitung von Professor Dyer von der Miskatonic University. Wir schreiben das Jahr 1931 und der technologische Fortschritt ermöglicht erstmals den Einsatz von Flugzeugen zur Erkundung großer Gebiete. So gelangt Dyer mit seinem Team in bisher unentdeckte Teile des eisigen Kontinents. Geologische Untersuchungen enthüllen Spuren unbekannter Lebensformen, und Professor Lake, getrieben von der Vorahnung einer bedeutenden Entdeckung, trennt sich von der Hauptgruppe und dringt in Begleitung einiger Freiwilliger tief in die antarktische Wildnis vor. Er wird einer der Ersten sein, die geheimnisvolle uralte Ruinen und Artefakte erblicken, die auf die Existenz einer prähistorischen Zivilisation hindeuten. Bedeutende Entdeckungen lassen nicht lange auf sich warten, und Lakes Funkmeldungen versetzen die Mitglieder der Basis immer wieder in Staunen. Bis zu dem Moment, als das Team von Lake verstummt und Dyer nichts anderes übrig bleibt, als ihre Spuren zu verfolgen.

Der Comic baut fließend eine Atmosphäre der Spannung und den Wunsch auf, Antworten auf die Fragen zu finden, die sich der Expedition bei der Enthüllung der Geheimnisse der antarktischen Einöde stellen. Das allgegenwärtige Gefühl von Angst und Beklemmung wird durch detaillierte Illustrationen verstärkt, die die Wahrnehmung der Ereignisse vertiefen. Die schwarz-weiße Gestaltung des Comics ist für diesen Zweck absolut entscheidend und erzeugt den Eindruck, als würdest du direkt in die Welt von Lovecrafts Erzählung eintauchen. Tanabe zeichnet die emotionalen Zustände und Reaktionen der Expeditionsmitglieder authentisch nach. Ihr psychologischer Kampf mit den schrecklichen Tatsachen wird komplex und tiefgründig dargestellt, was die dramatischen Momente der Geschichte unterstreicht. Im Comic finden sich viele Panels, die sich über zwei Seiten erstrecken und atemberaubende Szenerien schaffen. Die Ungewissheit und die Angst vor dem Unbekannten schleichen sich nach und nach in den Geist des Lesers.

Aufmerksame Kenner des Genres werden gewisse Inspirationen und Parallelen zum Werk von Edgar Allan Poe finden, der als Vorläufer des modernen Horrors gilt. Lovecraft arbeitet wie Poe mit psychologischem Grauen, düsterer Atmosphäre und unbekannten Mächten. Lovecraft geht jedoch noch weiter und erschafft einen komplexen Mythos um die Großen Alten und kosmische Entitäten mit unvorstellbarer Macht, gegen die wir Menschen völlig bedeutungslos sind. Berge des Wahnsinns hat seinen festen Platz im sogenannten Cthulhu-Mythos und vertieft die Geschichte der „Großen Alten“, der ersten Zivilisation des Planeten Erde.

Für Liebhaber von Lovecrafts Werk ist dieser meisterhaft gestaltete Comic ein absolutes Muss. Für Neulinge des Genres oder Gelegenheitsleser stellt er das ideale Tor in diese umfangreiche und faszinierende literarische Mythologie dar.
Unsere Sehnsucht nach dem Unbekannten hat uns an den äußersten Rand der menschlichen Vorstellungskraft geführt. In den Tiefen der Dunkelheit haben wir etwas geweckt, das für immer verborgen bleiben sollte, und damit die ganze Welt in Gefahr gebracht. Zu viel zu wissen kann gefährlich sein. Wissen führt zu Grauen. Grauen führt zum Wahnsinn…
Autor Petr Eller
Pavel Fellner
Autor článků na imago.cz
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