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Rezension zum Brettspiel Oltréé!

Das kooperative Brettspiel Oltréé zählt zu den Neuheiten des Herbstes 2022 und erschien Ende Oktober unter dem Label des Verlags Blackfire. Wie ist es?

Rezension zum Brettspiel Oltréé!

Vorwärts! Falls du dir wie wir den Kopf darüber zerbrochen hast, ob Oltréé! nur ein ausgedachter Name ist oder tatsächlich etwas bedeutet: Es ist ein altfranzösischer Ausdruck, der grob übersetzt so viel wie „Vorwärts!“ heißt. Gleichzeitig ist es der Name eines einige Jahre alten und heute kaum noch erhältlichen RPGs, auf dessen Welt das Brettspiel basiert. Und um was für eine Welt handelt es sich dabei? Um eine mehr oder weniger klassische Fantasy-Welt mit Drachen, Trollen, räuberischen Söldnern oder Elfen-Welpen.

Das kooperative Brettspiel Oltréé zählt zu den Neuheiten des Herbstes 2022 und erschien Ende Oktober unter dem Label des Verlags Blackfire. Verantwortlich dafür sind Antoine Bauza und John Grümph. Ersterer ist Brettspiel-Fans kein Unbekannter; Bauza designte unter anderem 7 Wonders, Ghost Stories oder Takenoko. Die monströse Schachtel bietet sechs abgeschlossene Szenarien, die du mit 2-4 Spielern ausprobieren kannst. Du schlüpfst in die Rolle eines der Wächter, deren Aufgabe es ist, ihre Satrapie (eine Verwaltungseinheit des Reiches) vor allerlei Monstern und anderen Gefahren zu schützen. Du hast die Wahl zwischen 8 Charakteren, von denen jeder eine spezielle Eigenschaft und einen Beruf besitzt – insgesamt gibt es 4 Berufe: Handwerker, Soldat, Gelehrter und Reisender.

Wie spielt es sich?

Vor jeder Partie wählst du eine Chronik, die nach und nach die Geschichte entfaltet und gleichzeitig als Timer für das Spiel dient, sowie eine Hauptaufgabe, die du parallel dazu erfüllst. Eine Chronik ist kürzer und dient als Tutorial, die restlichen fünf sind lang. Die Aufgaben sind je nach gespielter Chronik unterteilt – in kurz und lang – sowie nach Schwierigkeitsgrad in leicht, mittel und schwer. Während die Chronik den erzählerischen Teil von Oltréé darstellt, übernehmen diese Aufgaben den mechanischen Part. Meist musst du mehrere Regionen sichern, bestimmte Gebäude errichten oder eine vorgegebene Anzahl an Problemen lösen. Das Mischen verschiedener Aufgaben und Chroniken erhöht den Wiederspielwert ein wenig, allerdings ist es wahr, dass das erste Spiel aus Sicht der Geschichte am besten ist; danach weißt du bereits, in welche Richtung sich die Story entwickeln wird.

Recenze deskové hry Oltree!

Das Spielen selbst ist sehr einfach. Alle Wächter beginnen in einer zerstörten Festung in der Mitte des Spielplans. In ihrer Umgebung befinden sich 8 Orte, die kleine Dörfer darstellen, deren Bewohnern du bei der Lösung ihrer Probleme hilfst. Zu Beginn des Zuges jedes Spielers erfolgt ein Schicksalswurf mit dem Schicksalswürfel, der den Zeitanzeiger bewegt. Dieser kann auf einem Chronik-Feld (eine Seite wird umgeblättert), einem Begegnungs-Feld (wird der Region hinzugefügt), einem Problem-Feld (wird der Region hinzugefügt) oder einem Ereignis-Feld landen.

Recenze deskové hry Oltree!

Danach kannst du zwei Basisaktionen ausführen, die jedoch nicht identisch sein dürfen. Du kannst dich auf dem Spielplan bewegen, Begegnungen haben, Probleme lösen, Ressourcen sammeln oder Gebäude bauen. Abenteuer und Probleme werden meist durch Würfelwürfe auf eine der oben genannten Berufsfertigkeiten gelöst. Grundsätzlich hat jeder Charakter einen Würfel für jede Fertigkeit und einen zusätzlichen, abhängig von seinem Beruf. Durch den Bau von Gebäuden in der Festung kannst du zudem weitere Würfel erhalten oder das Ansehen bzw. den Ruhm deiner Festung steigern.

Unsere Eindrücke

Der Spielzug eines Spielers geht sehr schnell voran, sodass du keine großen Wartezeiten befürchten musst und praktisch sofort wieder an der Reihe bist. Die Spieldauer ist ebenfalls sehr angenehm; selbst bei langen Szenarien kommst du auf 1 bis maximal 1,5 Stunden. Obwohl es sich spielerisch im Kern um ein einfaches Optimierungs-Eurogame handelt, sind seine Stärken die Atmosphäre und die Erzählweise, die überraschend fesselnd ist. Im Hintergrund der von der Chronik getriebenen Hauptgeschichte spielen sich in der Satrapie viele andere Mikro-Geschichten ab – dort hast du Elfen-Welpen gefunden, in der Nähe der Mühle macht eine betrunkene Schmiedin Ärger, die man bändigen muss, und hier im Dorf ist ein Kind verschwunden, das gefunden werden muss. Du bist zudem auch außerhalb deines Zuges Teil des Geschehens, denn die Abenteuerkarten werden dir vom Spieler zu deiner Rechten vorgelesen, da sie oft Wahlmöglichkeiten bieten (ähnlich wie beispielsweise bei Dead of Winter). Die Geschichten aus den Chroniken sind dabei recht breit gefächert; neben klassischen heroischen Fantasy-Plots triffst du auch auf weniger traditionelle Themen.


Ein großes Plus verdient Oltréé für die grafische Gestaltung und die Produktionsqualität insgesamt. In der großen Schachtel verbirgt sich ein Inlay, das dem von Chronicles of Avel ähnelt. Der wunderschön illustrierte Plan sowie die Bilder auf den Karten aus der Feder von Vincent Dutrait (HEAT, Lovecraft Letter…) unterstreichen die Atmosphäre perfekt. Lob verdienen auch die Meeples der Helden, die sogar jeweils ihren eigenen Aufdruck und eine eigene Pose haben.

Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist nicht besonders hoch. Selbst beim höchsten Schwierigkeitsgrad der Aufgaben sind wir nur einmal auf ein größeres Problem gestoßen, als uns ein wirklich unangenehmes Zusammenspiel mehrerer schlechter Ereignisse in der Satrapie das Leben schwer machte. Es gibt ein gewisses Maß an Zufall im Spiel, schließlich entscheiden Würfelwürfe über die Proben. Durch die Optimierung deiner Züge kannst du deinem Glück jedoch auf die Sprünge helfen. Das bedeutet zum Beispiel, dass du für den Bau von Gebäuden normalerweise wirklich nur den Baumeister einsetzen solltest, oder wenn in der Festung im Rahmen der Hauptgeschichte Imps auftauchen, ist es wohl besser, sie rechtzeitig zu vertreiben.

Bewertung

Oltréé ist ein sehr angenehmes Spiel, das vor allem auf entspanntes Familienspielen abzielt. Aufgrund seiner Einfachheit, aber gleichzeitig großartigen Atmosphäre und Erzählweise, geht es auch in einer Gruppe erfahrenerer Spieler nicht unter, die eine schöne Fantasy-Entspannung suchen. Das Spiel fließt schnell und natürlich und hat keine Längen. Etwas längere Wartezeiten entstehen bei einer Partie mit 4 Spielern. Unserer Meinung nach ist es daher am besten, wenn ihr zu dritt am Tisch sitzt – in dieser Besetzung funktioniert Oltréé hervorragend. Schade nur, dass man in der Schachtel nur sechs Chroniken findet und sich die Abenteuerkarten mit der Zeit auch etwas abnutzen.

Autorin Kristýna Nováková

Kristýna Nováková

Autor článků na imago.cz

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