Rezension des Kartenspiels Star Wars Deckbuilding
Star Wars: The Deckbuilding Game ist ein schönes Duell-Spiel, das für jeden zugänglich ist, nicht nur für Star Wars-Fans. Empfohlen von 9 von 10 Sith-Lords!
Was findest du im Artikel?
Star Wars erfreut sich weltweit bei unzähligen Fans großer Beliebtheit. Seit der Übernahme der Rechte durch Disney hat sich das Fandom zwar in verschiedene Lager gespalten. Ob man sie liebt, hasst oder neutral gegenübersteht – Star Wars bleibt definitiv eine starke Marke, auf der sich jede Menge Merchandise, Geschichten, Spiele und Unterhaltung aufbauen lassen. Bei Brettspielen mit dem Star Wars-Label war die Qualität und Spielbarkeit jedoch schon immer ein Auf und Ab. Auf ein so komplexes Universum lässt sich fast jedes Spielsystem übertragen, weshalb über die Jahre viele Spiele mit dem Titel Star Wars entstanden sind. Die Rechte für Brett- und Kartenspiele liegen jedoch seit einiger Zeit bei Fantasy Flight Games, die mittlerweile zum Brettspiel-Giganten Asmodee gehören. Und die gehen mit der Marke nach Belieben um.
Von Fantasy Flight Games (FFG) sind bereits etliche Brettspiele aus der Star Wars-Welt erschienen. Von hochgelobten Titeln wie Star Wars: Rebellion und Imperial Assault, über solide bewertete Spiele wie Star Wars: Outer Rim oder Star Wars: Destiny, bis hin zu verschiedenen Wargaming-Titeln – die Liste ließe sich fortsetzen. Eine starke Marke macht noch kein gutes Spiel, aber glücklicherweise sind die meisten genannten Spiele sehr gut auf Star Wars zugeschnitten, auch was die Spielmechanik angeht.

Die Neuheit von FFG trägt den direkten Namen Star Wars: The Deckbuilding Game. Bevor Deckbuilder nun über ein neues TCG jubeln: Das Spiel hat absolut nichts mit dem Erstellen von Decks im klassischen Sinne zu tun. Bzw. doch, aber als integriertes Spielsystem, das aus vielen anderen Spielen bekannt ist – angefangen bei Dominion bis hin zu Ascension oder Star/Hero Realms.
Der Autor des Spiels ist Caleb Grace. Er hat sich aus verschiedenen Spielen Ideen und Systeme genommen und einen Mix aus interessanten Spielmechaniken zusammengestellt. Das ist zwar unterhaltsam, leidet aber leider etwas unter einem zu hohen Glücksfaktor (Details dazu weiter unten). Star Wars: The Deckbuilding Game ist ein reines Duell-Spiel. Auch wenn das Spiel eine 2v2-Variante mit zwei Exemplaren ermöglicht, glaube ich, dass vier Spieler eher zu interessanteren Brettspielen für mehrere Personen greifen werden. Auch wenn diese Variante angeblich ebenfalls ziemlich gelungen ist.
Wie spielt es sich?
Die Regeln sind ziemlich direkt und einfach, Fans von Deckbuilding-Systemen werden sich sofort zu Hause fühlen. Ein Spieler übernimmt die Allianz der Rebellen, der andere „überraschenderweise“ die imperialen Streitkräfte. Jeder Spieler erhält sein Startdeck, das im Grunde identisch ist, sowie einen Stapel Basen, aus denen man sich einen Startplaneten als Basis aussucht. Ziel des Spiels ist es, 3 gegnerische Basen zu zerstören (oder 4-5, je nach Absprache der Spieler). Die imperiale Basis ist zu Beginn Lothal, das Rebellenpack startet auf Dantooine. Zwischen den beiden Spielern liegen sechs Karten aus dem umfangreichen galaktischen Markt aus, wo man neue Einheiten, Piloten, Jäger, Mutterschiffe, Kopfgeldjäger oder bekannte Helden aus dem Star Wars-Universum anheuern kann.

Das Spiel ist nicht sehr komplex und dauert etwa eine halbe Stunde. Die Spieler haben pro Runde 5 Karten zur Verfügung. Beide wechseln sich ab, spielen Karten aus, erhalten dadurch Ressourcen zum Kaufen, Stärke für Angriffe, Karteneffekte zum Optimieren des Decks oder sabotieren das Spiel des Gegners. Mit den Ressourcen kauft man Karten aus dem Markt, die man nach und nach dem eigenen Deck hinzufügt. Je mehr man sich durch diese Karten spielt, desto stärker werden sie, da sie sich gegenseitig ergänzen. Ziel ist es also, ein besseres Deck als der Gegner aufzubauen und dessen Basen so schnell wie möglich auszuschalten. Der Clou dabei: Bestimmte Karten (außer den neutralen) gehören nur zu deiner Fraktion. Das Imperium wird also niemals Chewbacca anheuern und Darth Vader kann kein Gutmensch werden, der für die Rebellen kämpft.
Auch die Macht ist im Spiel vertreten, in Form einer Anzeige, die zeigt, auf wessen Seite die Macht gerade steht und wer eine größere Chance hat, seine Karteneffekte zu nutzen. Die Strategie beider Fraktionen ist asymmetrisch. Das Imperium verfügt beispielsweise über mehr Feuerkraft, während die Rebellen besser darin sind, die Hand des imperialen Spielers zu sabotieren und mehr Vorteile durch die Macht nutzen können. Durch das Ausspielen von Mutterschiffen können Spieler zudem eingehende Angriffe blockieren und ihre aktuelle Basis schützen. Angriffe können auch gegen Karten des Gegners im galaktischen Markt geführt werden, um dessen Ziele zu sabotieren. Sobald du eine Basis verlierst, ziehst du – genau wie in der Vorlage – einfach woanders hin und wählst eine neue Basis mit anderen Fähigkeiten, je nach aktueller Spielsituation. Der Spieler, der zuerst 3 (oder 4-5) gegnerische Basen zerstört, gewinnt sofort.
Im System selbst sehe ich am meisten Star Realms, woraus das Spiel wohl am meisten schöpft. Das Zerstören von Basen erinnert mich stark an das kürzlich erschienene Radlands, und das gesamte System der Karteneffekte und des Deck-Tunings führt zurück zum erwähnten Urvater aller Deckbuilder – Dominion.
Es hat auch eine dunkle Seite der Macht…
Das Spiel hat allerdings auch seine Tücken. Wenn im galaktischen Angebot keine Karte deiner Fraktion erscheint, bist du oft darauf angewiesen, neutrale Karten zu nehmen (falls vorhanden), gegnerische Karten zu zerstören oder Piloten anzuheuern und zu warten, bis sich das Angebot ändert. Ich habe vier Partien gespielt und zweimal hatte ich nichts zur Auswahl. Als Rebellen ist das kein so großes Problem, da sie immer noch genug Mechaniken haben, um zumindest die Hand des Imperiums zu sabotieren. Aber das Imperium ist ohne seine starken Einheiten nur ein halbes Imperium und bekommt genauso eins auf den Deckel wie in den Filmen. Dieser Aspekt, dass beide Spieler keine gleichen Möglichkeiten haben, kann frustrierend sein. Auch wenn sich die Situation drehen kann, nimmt das Spiel dann nie so richtig epische Fahrt auf. Ohnehin finde ich, dass es das Imperium etwas schwerer hat, da es nicht so viele Ressourcen hat und oft auf neutrale Karten angewiesen ist, bis es etwas stärker wird und sich Einheiten und Schiffe leisten kann. Leider können zu diesem Zeitpunkt bereits Rebellen-Einheiten im Angebot campen, die man erst entfernen muss, damit sich das Angebot ändert. Vielleicht hatten wir aber auch nur Pech. Schließlich gibt es im Spiel ziemlich viel Zufall. Und bei einem Spiel zum Bier in der Kneipe geht es auch nicht um wahnsinnig tiefe Emotionen.

Das Thema funktioniert im Spiel gut. Die Karten sind grafisch traditionell sehr gelungen, die Ikonografie ist im Grunde dieselbe, die FFG schon seit Jahren für seine Star Wars-Spiele verwendet, sodass man leicht versteht, worum es geht. Die Regeln sind einfach, verständlich und im Grunde kannst du sofort loslegen, wenn du schon einmal Star Realms oder ein ähnliches Spiel gespielt hast. Ich empfehle die erweiterte Version auf 5 gewonnene Basen zu spielen, was das Spiel um ca. 15 Minuten verlängert, aber dafür siehst du deinen mühsam aufgebauten „Engine“ in Aktion und wirst dafür auch angemessen belohnt.
Star Wars: The Deckbuilding Game ist ein schönes Duell-Spiel, das für jeden zugänglich ist, nicht nur für Fans. Das Spiel ist dank Blackfire komplett auf Tschechisch und wirklich jeder kann es lernen. Wenn dich ein höherer Glücksfaktor nicht stört, mit dem man zwar arbeiten kann, und du auch mit Pech umgehen kannst, dann ist das das ideale Spiel für dich – erst recht, wenn du die schwarz-weiße Welt der Hvězdné války (Star Wars) magst.
Autor Honza Kohoutek
Honza Kohoutek
Deskovky jsou pro něj laboratoř příběhů, videohry paralelní realita a knihy i seriály nekonečný zdroj světů k objevování. Spoluzakládal Vlčí boudu a vášeň pro popkulturu ho drží dodnes.
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