Rezension zum Comic Die Würfel – Herzzerreißende Fantasy
Lies die Rezension zum 1. Band der Comic-Reihe Die Würfel – Herzzerreißende Fantasy und tauche aus der Realität in die düstere Welt eines Fantasy-Rollenspiels ein.
Kürzlich habe ich mit einem Freund über „The Magicians“ von Lev Grossman diskutiert – eine Dekonstruktion des Genres von jemandem, der offensichtlich die Tropes von Magierschulen hasst und nachts von brennenden Hogwarts-Träumen geplagt wird. Durch die Seiten seines Buches stolpern unsympathische Karikaturen menschlicher Wesen, und obwohl es eine faszinierende Lektüre ist, bleibt der Haupteindruck, dass der Autor ein ernstes Problem hat, über das er mit jemandem sprechen sollte.
Als ich Die Würfel – Herzzerreißende Fantasy gelesen habe, musste ich oft an „The Magicians“ denken. Beide Werke heben das beliebte Genre und seine Tropes auf eine neue Ebene. Im Fall von „Die Würfel“ werden Kinder mit nuklearen Zauberstäben durch einen originellen und sehr interessanten Mix aus Isekai und LitRPG ersetzt. Dazu kommen eine Prise klassisches Dungeons & Dragons, ein wenig Tolkien und ein ordentlicher Haufen origineller Skurrilitäten.
Auf jeder Seite sieht man, dass Kieron Gillen, der Autor des Skripts, ein riesiger Nerd ist, der viele Jahre in auf Karopapier gezeichneten Dungeons verbracht hat. Ich habe die enorme Menge an ziemlich obskuren Referenzen geschätzt, wobei mir klar ist, dass mir mindestens genauso viele entgangen sind. Im Gegensatz zu „The Magicians“ nähert sich „Die Würfel“ dem Thema nicht aus einer Position des Hasses, sondern aus Liebe zum Genre und zu RPGs, auch wenn die Geschichte selbst alles andere als freundlich ist.

Als Sol und seine Freunde sechzehn waren, organisierte Sol für sie ein spezielles Spiel à la Dungeons & Dragons. In dem Moment, als die Spieler würfelten, verschwanden sie aus der Welt. Sechs Monate später kehrten sie zurück – ohne Sol, gezeichnet an Körper und Seele, mit einem Trauma, über das sie nicht sprechen konnten.
Fünfundzwanzig Jahre später gelangen die Würfel erneut in ihre Hände. Und sie sind zurück.
In der Welt von Die Würfel werden sie zu mächtigen Helden. Eine Diplomatin, die jeden mit ihrer Zunge beherrschen kann. Eine Hackerin, angetrieben von Feengold. Eine Händlerin mit Göttern, die sich Wunder kaufen kann. Ein Ritter, dessen Kummer sowohl Waffe als auch Fluch ist. Ein Narr, den nur übernatückliches Glück vor einem gewaltsamen Tod bewahrt.
Und Sol ist auch wieder da. Er will nicht allein sein. Also hat er für seine Freunde ein weiteres Spiel vorbereitet.
Zu gehen ist einfach. Sie müssen es sich nur alle wünschen…
Doch unter der Oberfläche der heldenhaften Alter Egos verbergen sich immer noch dieselben traumatisierten Erwachsenen, die nicht nur die Schatten der Vergangenheit mit sich tragen, sondern auch die neue Last, die ihnen das Erwachsenwerden in der realen Welt aufgebürdet hat. In ihrem Leben haben sich Verluste, Misserfolge und Schuldgefühle angesammelt, die selbst die Macht einer magischen Welt nicht vollständig auslöschen kann. Im Gegenteil, sie hält ihnen einen Spiegel vor.

Und genau das macht „Die Würfel“ zu einem so großartigen Comic. Das seltsame Fantastische aus mechanischen preußischen Drachen und Zombies, die in Binärcode kommunizieren, wird durch allzu glaubwürdige und hervorragend gezeichnete Charaktere ausgeglichen. Beide Teile ergänzen sich gegenseitig, sodass das Ergebnis weit mehr ist als nur die Summe seiner Teile.
Das Erlebnis wird durch die absolut brillante Zeichnung von Stephanie Hans unterstrichen. Sie ist düster, atmosphärisch und passt sich perfekt der Handlung an. Während der Actionszenen ist sie voller Kontraste, aggressives Rot quillt aus der dunklen Umgebung hervor. Melancholie spielt stattdessen mit sich ergänzenden, gedämpften Gelb- und Orangetönen.

Alle paar Seiten gibt es eine Szene, die so beeindruckend ist, dass ich sie ohne Zögern vergrößern, einrahmen und über das Bett im Gästezimmer hängen würde.
Falls du es immer noch nicht gemerkt hast: Die Würfel sind großartig, und wenn du auch nur die geringste Verbindung zu Rollenspielen hast, ist das im Grunde Pflichtlektüre. Sie sind klug, erwachsen, actionreich, fantastisch, bewegend und traurig. Sie sind wunderschön und verdienen einen Platz in deinem Bücherregal.

Übrigens haben Die Würfel ihr eigenes Rollenspiel, in dem du dich gegen deinen eigenen Willen in einem Rollenspiel gefangen wiederfinden kannst – und wenn alles gut läuft, könnte es auch bei uns im Shop erscheinen. 😉
Autor Ondřej Mráz
Ondřej Mráz
Autor článků na imago.cz
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