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Jubiläum des Romans Die Straße: Was hat uns Cormac McCarthy hinterlassen?

Der Roman Die Straße von Cormac McCarthy feiert ein bedeutendes Jubiläum. Erinnere dich an diesen Postapo-Kult durch das legendäre Buch, den Film und den neuen Comic von Lercenet!

Jubiläum des Romans Die Straße: Was hat uns Cormac McCarthy hinterlassen?

Dieses Jahr feiern wir ein literarisches Jubiläum – es ist bereits zwei Jahrzehnte her, seit der postapokalyptische Roman Die Straße von Cormac McCarthy erstmals erschien. Das schmale Werk gewann nicht nur kurz darauf den Pulitzer-Preis, sondern wurde nur wenige Jahre später auch verfilmt, mit Viggo Mortensen in der Hauptrolle. Falls du den Film verpasst hast und sehen willst, wie es aussieht, wenn Aragorn durch eine graue, deprimierende Landschaft stapft, in der die Menschheit längst nicht mehr funktioniert und die Zivilisation ihren ewigen Schlaf hält – nur zu. Eine bedrückende und trostlose Atmosphäre ist garantiert, Postapokalypse, wie sie sein muss.

Der Roman Die Straße ist ein schmales Buch, das sich mir jedoch wie kein anderes ins Gedächtnis gebrannt hat. In meiner Karriere als Bücherwurm habe ich wirklich viel gelesen. Warum sticht aber gerade Die Straße aus diesem Papierstapel hervor? Ich hatte Angst beim Lesen! Nie zuvor oder danach habe ich beim Lesen ein solch beklemmendes Gefühl der Angst erlebt. Die Angst vor dem, was als Nächstes kommt. Insgesamt ist es absolut keine positive Lektüre. Und ich muss zugeben, dass ich noch mehr Angst vor dem Buch habe, seit ich selbst Vater bin. Die Geschichte über den Kampf eines Mannes, der versucht, sein Kind um jeden Preis am Leben zu erhalten, trifft mich in ihrer Schwere mehr denn je. Aber auch das ist die Schönheit der Literatur und der Beweis, dass Die Straße all den Ruhm und die Auszeichnungen verdient.

Neben der Kinoleinwand erreicht uns Die Straße auch auf den Seiten von Comics. Dank des Verlags Argo hast du die Möglichkeit, dir eine Dosis postapokalyptischer Depression in der Adaption des anerkannten französischen Künstlers Manu Lercenet zu gönnen – sein Graphic Novel ist der Vorlage so treu wie nur möglich und es ist ihm zudem gelungen, dem Meisterwerk des modernen Comics neues Leben einzuhauchen.

Jubiläum des Romans Die Straße: Was hat uns Cormac McCarthy hinterlassen?

Der anfängliche Status quo bleibt jedoch bestehen – die Welt wurde von einer nicht näher benannten Apokalypse verschlungen, nach der alles von ständig fallender grauer Asche bedeckt wurde. Soweit das Auge reicht, herrscht eine solche Verwüstung, dass sich selbst Smaug für diese Zerstörung nicht schämen müsste. Hier gibt es keinen Platz für Leben und Wachstum, nur Trümmer, Verfall und Leichen – Dunkelheit und eine beklemmende Atmosphäre, die den Leser bei jedem Umblättern erneut anweht.

In dieser trostlosen Welt verfolgen wir die Reise eines Vaters und seines Sohnes, die gemeinsam nach Süden ziehen, auf der Suche nach dem Ozean und einem winzigen Funken Hoffnung, der sie immer weiter antreibt. Ihr gesamter Besitz ist auf den Inhalt eines schrottreifen Einkaufswagens geschrumpft. Leider müssen sie nicht nur Hunger und Kälte trotzen, sondern auf ihrem Weg auch wilden Banden anderer Überlebender ausweichen – ihr tägliches Brot ist die ständige Bedrohung durch Überfälle anderer Bewohner dieser Welt (die man kaum noch als Menschen bezeichnen kann), für die die Überreste der Menschheit nur noch ein wandelnder Snack sind.

Was Lercenets Die Straße so auffällig macht, ist die visuelle Stille. McCarthys literarischer Minimalismus ist in der Comic-Form ein stiller Ort, an dem Dialoge selten vorkommen, und erwarte auch keine dramatischen Action-Szenen im Hollywood-Stil. Es handelt sich eher um eine mehr oder weniger beklemmende Abfolge von Szenen, die zur Kontemplation der dargestellten starken Bilder und Eindrücke einladen, die dich nicht schlafen lassen werden.

Jubiläum des Romans Die Straße: Was hat uns Cormac McCarthy hinterlassen?

Da dieser Comic kein actiongeladener Blockbuster ist, warum sollte man ihn dann lesen? Das entscheidende Plus ist die Zeichnung. Es mag zwar scheinen, als handele es sich nur um eine Variation von X Grautönen und Schwarz, die den endlosen Staub und die Asche illustrieren sollen, aber das ist nicht der Fall – der Autor arbeitet meisterhaft und sparsam mit Farbakzenten; bei Gefahr oder Blut erkennen wir dies deutlich an der roten Farbe. In verschiedenen Erinnerungen blitzen für den Leser gelegentlich auch andere Farben auf.

Ein wichtiger Aspekt der Comic-Adaption ist auch das Detail, mit dem die einzelnen Szenen gezeichnet sind. Schmutz, Asche und Blut sind auf dem Papier fast greifbar, so perfekt stellt der Autor alles dar – von der kleinsten Falte über eine rostige Dose am Wegesrand bis hin zu zufällig gefundenen Leichen. Die Welt, die er eingefangen hat, ist monumental, voller zerfallender Städte und wilder Wälder, wirkt aber dennoch leer – die Abwesenheit von Menschen ist auf den ersten Blick erkennbar und die Rücksichtslosigkeit der hiesigen Bewohner lässt den Leser erschaudern.

Es ist erstaunlich, was dem Autor gelungen ist – er hat nicht nur die deprimierende Atmosphäre der Buchvorlage eingefangen, sondern ihr ein neues Gesicht gegeben. Er hat die Geschichte visuell anders eingefangen, als es der Text allein könnte – er hat ihr eine Seele eingehaucht, die deine beim Lesen mehrmals emotional durchkaut und wieder ausspuckt. Die Geschichte des nackten Überlebens in einer grausamen Welt, in der die Bindung zwischen Vater und Sohn der letzte Funken Hoffnung ist, lässt dich nicht kalt. Wenn du gerade einen melancholischen Moment hast und die reale Welt dir nicht deprimierend genug zum Nachdenken erscheint, empfehle ich dir wärmstens, zu diesem Comic zu greifen. Dein depressives Ich wird voll auf seine Kosten kommen und du erhältst obendrein einen ausgefeilten Comic mit festem Einband, der dein Bücherregal schmücken wird. Und genau das willst du!

Jana Mrkvicová

Jana Mrkvicová

Civilním povoláním v současnosti kancelářská krysa. Ve volném čase knihomolka na plný úvazek (holt 10 let jsem pracovala v knihkupectví) vyžívající se primárně ve fantasy luzích a hájích.

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