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Die Ringe der Macht – Kritik zur ersten Staffel

Die erste Staffel der Ringe der Macht liegt hinter uns. Die Erwartungen der Fans von Tolkiens Werk konnten nicht erfüllt werden. Was ist berechtigte Kritik und was nur lautes Geschrei?

Die Ringe der Macht – Kritik zur ersten Staffel

Die erste Staffel der Ringe der Macht liegt hinter uns. Die Erwartungen der Fans konnte sie nicht erfüllen. Dafür hat sie eine Welle der Kritik und negative Reaktionen ausgelöst, wie wohl kaum eine Serie zuvor. Was ist berechtigte Kritik und was nur lautes Geschrei? Das ist heute schwer zu unterscheiden.


Amazon hat sich an ein großes Werk gewagt. Sie haben eine Rekordsumme investiert und gehofft, dass alles gut geht. Sie sind jedoch auf Fans gestoßen, die für ihre Leidenschaft kämpfen und empfindlich reagieren, wenn etwas anders ist als erwartet. Ich verstehe das. Ich kenne das. Einen eingefleischten Fan zufriedenzustellen, ist manchmal unmöglich. Wenn sich etwas ändert – wird gemeckert, wenn es exakt nach Vorlage ist – wird gemeckert, dass das Werk unoriginell sei. Da soll mal einer schlau draus werden. Tolkien hat zudem einen Ausnahmestatus in der Popkultur. Er hat das Leben mehrerer Generationen beeinflusst. Doch bei Amazon entschied man sich, sich nur ein Stück von ihm zu leihen und glaubte, die Lücken auf eigene Weise füllen zu können. Mutig! Ich verstehe nur nicht, warum sie das alles am Ende Drehbuchautoren ohne Erfahrung und Vision anvertraut haben.

Ein guter Anfang

Die ersten drei Folgen fingen gar nicht schlecht an. Uns wurde ein altes, anderes und doch vertrautes Mittelerde vorgestellt. Es wurde eine Reihe neuer und altbekannter Charaktere in neuen Zusammenhängen präsentiert. Wir lernten den einzigartigen visuellen Stil kennen, der durch die Illustrationen von John Howe und Alan Lee skizziert und von Peter Jackson in seinen zwei Trilogien zur Perfektion gebracht wurde. Wir bekamen Einblicke in Orte, die wir nur aus Fragmenten und Andeutungen kannten. Im Grunde hat das funktioniert.

Die Ringe der Macht - Kritik zur ersten Staffel

Doch dann war die Vorstellung vorbei, die Autoren mussten ihre eigenen Kräfte einsetzen und plötzlich wurde es schmerzlich deutlich, dass sie sich bei weitem nicht mit Tolkien messen können (wer kann das schon). Es wurde unsensibel verändert und hinzugefügt, spekuliert, und am Ende ist alles epischer zerfallen als Saurons Turm in Die Rückkehr des Königs.

Die Drehbuch-Drachenwüste

Stell dir vor, wie viele Leute an der Produktion eines solchen Werks beteiligt sind. Heute sind die Credits oft länger als der Film selbst. Es ist erstaunlich, dass sich unter dieser Menge an Menschen niemand fand, der sagte: „Das ist doch Unsinn, machen wir es besser, wir haben genug Geld dafür.“ Den Drehbuchautoren erschien es wohl sinnvoller, auf Logik, interessante Dialoge oder die Philosophie der Vorlage zu pfeifen. Die meisten Hauptcharaktere verlieren an Tiefe, ihre Motivation ist seltsam, die Worte aus ihrem Mund verwirrend. Das retten dann auch keine ordentlichen schauspielerischen Leistungen mehr.

Die Ringe der Macht - Kritik zur ersten Staffel

Irgendwo in der Mitte der Staffel wurde mir klar, dass ich mich vielleicht unnötig quäle. Ich schaue keine kultige Umsetzung einer kultigen Vorlage, die mein Leben verändern wird. Ich schaue nur eine Serie… Am Ende ertappte ich mich bei dem ketzerischen Gedanken – ist es mein Problem, dass ich Tolkiens Werk so sehr liebe, dass ich das hier nicht mit gutem Gewissen genießen kann? Ich verstehe jedoch, dass das der falsche Ansatz ist.

Jacksons Filme sind bei weitem nicht perfekt. Sie haben vieles weggelassen oder verändert. Ich erinnere mich gut daran, wie viele Leute damals geschimpft haben. Am Ende hat das Fandom sie aber akzeptiert, weil Liebe und Respekt vor der Vorlage aus jeder Szene sprachen. Jackson selbst sagte oft, dass ihn in Momenten der Ratlosigkeit immer eine einfache Sache rettete: zurück zum Buchtext zu gehen. Amazon hat zudem alles Drehbuchautoren anvertraut, die wohl dachten, dass der heutige Konsument nicht über die Logik der Handlung und Szenen nachdenken wird. Irrtum!

Die Ringe der Macht - Kritik zur ersten Staffel

Schönheit versteckt im Misthaufen

Wenn man das alles beiseite räumt und sich die Kopfschmerzen von all den regelmäßigen Facepalms legen, findet man in der ersten Staffel auch einiges Schönes. Bei den Drehbuchautoren und Regisseuren wurde offenbar gespart, daher blieb genug Budget übrig, damit alles wunderschön aussieht. Kaum eine heutige Serie hat eine so opulente Produktion. Wahrlich eine Freude anzusehen. Oft weht ein starker Hauch von Mittelerde über den Bildschirm. Die Atmosphäre funktioniert regelmäßig sehr gut, Spannung und Geheimnis werden geschickt aufgebaut. Einigen Charakteren kann man sogar glauben und mit Zufriedenheit ihre Entwicklung verfolgen. Sogar aus dieser Galadriel wird am Ende nicht nur eine arrogante Furie, die blindlings nach Rache strebt.

Die Zwerge sind an allem schuld!

Der eindeutig beste Handlungsstrang der gesamten Staffel ist die Freundschaft zwischen Durin und Elrond. Man sieht wunderbar, dass es funktionieren kann, wenn man den vergeblichen Versuch aufgibt, um jeden Preis etwas Episches zu erschaffen. Hier kommt auch eine einfache Tolkiensche Wahrheit zum Vorschein: Freundschaft und Liebe siegen immer. Doch gleich darauf folgt die Handlung mit dem Mithril und man schüttelt vor dem Bildschirm wieder nur ungläubig den Kopf. Warum?!

Die Ringe der Macht - Kritik zur ersten Staffel

Bei mir funktionierte auch das direkte, fast naive „Hobbit“-Pathos, das für mich zum späteren Kleinstadtleben und der Gutmütigkeit des Auenlandes passt. Am Ende funktionierte auch das Erscheinen Saurons, auch wenn ihm nicht so viel Aufmerksamkeit zuteilwurde, wie er verdient hätte. Erstaunlich, dass für Sprüche wie „Das Meer hat immer recht.“ Platz war. :)

Die Ringe der Macht werden einen Fan von Mittelerde und seiner Geschichte nur schwer zufriedenstellen. Schwer zu sagen, ob das überhaupt möglich wäre. Selbst wenn man mit einem wirklich offenen Geist an dieses Werk herangeht, bleibt einem ein seltsamer Nachgeschmack von Enttäuschung und Empörung. Besonders, wenn irgendein Trottel auf Reddit, der auf dem Klo am Handy schreibt, bessere Handlungen und Dialoge erfindet. Hoffentlich ziehen die Macher daraus eine Lehre und verstehen, dass sie dieser Marke mit mehr Respekt begegnen müssen. Das Potenzial dazu haben sie definitiv. Wenn kein großer produktioneller Eingriff erfolgt, warten noch sieben Staffeln auf uns. Es bleibt nur zu hoffen. Bisher haben wir nur eine sehr durchschnittliche (und stellenweise schwer unterdurchschnittliche) Fantasy-Serie bekommen. Ich bin aber gespannt, wie es weitergeht.

Autor Karel Krajča

Karel Krajča

Karel Krajča

Šéfredaktor, content creator a organizátor festivalu Fantastická Ostrava. Fanoušek fantastiky, videoher, deskových her a popkultury obecně. Příležitostný milovník malování figurek a craftení všeho druhu. Hudební závislák a amatérský znalec fyziky a matematiky.

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