Rezension des Regelwerks Fallout: Das Rollenspiel
Rezension der tschechischen Ausgabe von Fallout: Das Rollenspiel. Regeln, Charaktererstellung, die Welt des Ödlands und das Fazit eines Fans der Serie.
Was findest du im Artikel?
„War, War never changes,“ ist der legendäre Satz aus der Fallout-Reihe, der über alle Spiele hinweg Bestand hat. Das gilt auch für das Spiel Fallout: Das Rollenspiel von Modiphius, das wir dank des Verlags Mytago nun auch auf Tschechisch haben. Damit kann ich behaupten, alle offiziellen Fallout-Spiele gespielt zu haben. 🙂
Dieses TTRPG ist eine getreue Adaption des Videospiels Fallout 4 und überträgt es in ein Pen-&-Paper-Rollenspiel für mehrere Spieler. Im Buch findest du alles, was du brauchst, um dein eigenes Spiel in der Umgebung von Boston zu erschaffen, wo Fallout 4 spielt – oder wo immer du willst (zum Beispiel, wie ich, in Tschechien). Du findest hier Beschreibungen gewöhnlicher generischer Orte, aber auch spezielle Schauplätze wie Diamond City. Das Spiel übernimmt alle grundlegenden Mechaniken wie Perks, V.A.T.S., das Modifizieren von Waffen und Rüstungen sowie das Herstellen von Gegenständen, Kochen und Survival-Elemente wie Durst, Hunger und Krankheiten. Etwa ein Viertel des Buches ist dem Spielleiter-Abschnitt gewidmet, der ein recht umfangreiches Bestiarium und ein kurzes Testabenteuer enthält.
Aufmachung und Regeln
Die Aufmachung des Buches selbst ist sehr gelungen. Es ist mit einer Vielzahl von Bildern zu den einzelnen Gegenständen und Aktivitäten (der ikonische Pip-Boy darf nicht fehlen) sowie mit vielen großartigen Illustrationen durchsetzt, die das postapokalyptische Thema unterstreichen.
Das Buch hat für mich zwei weitere riesige Vorteile. In der Kopfzeile der Seiten sind die Kapitel thematisch aufgeführt, sodass du immer siehst, in welchem Kapitel du dich gerade befindest, und es hat ein integriertes Lesezeichen. Zwar könnten es bei der Informationsmenge im Buch auch zwei oder drei Lesezeichen sein, aber schon eines ist eine sehr angenehme Überraschung.

Mehrere Leute sagten mir unabhängig voneinander: „Die Regeln müssen doch kompliziert sein“, aber nach zehn Minuten im Spiel war ihnen alles klar und sie genossen die Möglichkeiten und die Freiheit, die das Spiel bietet. Ich muss sagen, dass sich der Abschnitt mit den Grundregeln und dem Kampf sehr gut liest; alles ist verständlich und die Regeln sind einfach.
Anmerkung zum System: Das Spiel nutzt das sogenannte 2d20-System: Grundsätzlich versuchst du, mit zwei zwanzigseitigen Würfeln (oder mehr) eine niedrigere Zahl zu würfeln als die Summe aus Attributen und Fertigkeiten. Je niedriger der Wurf, desto besser.
Zudem entstehen während des Spiels viele interessante Situationen durch die Kombination von Erfolgen und Komplikationen, die mit jeder gewürfelten 20 (in manchen Fällen auch bei niedrigeren Zahlen, wenn die Situation schwieriger ist) auftreten. Die größte Änderung gegenüber Mainstream-Spielen besteht darin, dass Bewegung und Reichweite nicht in festen Entfernungen gemessen werden, sondern das Spiel mit Zonen arbeitet, was das Spielen erleichtert und beschleunigt. Auch Karten sind für das Spiel nicht notwendig; es reichen grobe Skizzen oder eine gute Beschreibung der Situation, falls jemand Schwierigkeiten mit dem Kartenzeichnen hat. Das Spiel unterstützt das sogenannte „Theatre of the Mind“.

Das Spiel hat einen spezifischen Ansatz für Verletzungen: Jede Waffe hat eine bestimmte Anzahl sogenannter Kampfwürfel (sechsseitige Würfel mit den Werten 1, 2, 0, 0, Effekt, Effekt), mit denen gewürfelt wird und die den resultierenden Schaden bestimmen. Kleinere Komplikationen ergeben sich aus den Effekten, da verschiedene Waffen unterschiedliche Effekte haben und man im Auge behalten muss, welchen Bonus sie geben, wie lange sie anhalten usw. Wenn du eine Modifikation an der Waffe hast, können mehrere Effekte kombiniert werden, was man bedenken muss. Wie im Videospiel geht jeder Schaden auf verschiedene Körperteile mit potenziell unterschiedlichen Folgen, und dank V.A.T.S. hast du die Möglichkeit, deine Angriffe gezielter auszuführen – allerdings auf Kosten einer höheren Schwierigkeit, es sei denn, du hast einen Pip-Boy.
Charaktererstellung und „Gear Porn“
Die Charaktererstellung ist sehr einfach und übersichtlich beschrieben. Es gibt ein paar Grundregeln, wie man bestimmte Attribute berechnet, aber alles ist sehr simpel. Dann wählst du einfach deine Herkunft, was dir zusätzliche Eigenschaften und Ausrüstungspakete gibt, verteilst deine S.P.E.C.I.A.L.-Punkte, wählst Talente und verteilst Talentpunkte. Am Anfang muss man nicht spekulieren, was die beste Ausrüstung ist, da man den Rest der Ausrüstung basierend auf seinen Talenten in den Fertigkeiten erhält.

Der umfangreichste Teil des gesamten Buches ist das Kapitel über Ausrüstung, das fast 100 Seiten einnimmt. Jemand aus meinem Umfeld bezeichnete es als „Gear Porn“. Es stimmt, dass sich Liebhaber des Aufrüstens und Kombinierens von Fähigkeiten hier richtig austoben und eine Menge interessanter Kombinationen erstellen können, sofern ihr Spielleiter es erlaubt. Diese fast 100 Seiten sind jedoch mit vielen Illustrationen und zusammenfassenden Tabellen sowie individuellen Beschreibungen durchsetzt, was das Lesen sehr angenehm macht und die Dinge übersichtlicher gestaltet.
Überleben und Spielwelt
Das Kapitel „Überleben“ fügt zusätzliche Regeln zu Hunger, Durst und Krankheiten hinzu, erklärt aber auch die Mechaniken zum Herstellen und Modifizieren von Gegenständen, zum Kochen von Essen, Chemikalien und allem, was die Spieler brauchen.
Vielleicht lassen sich nur Fahrzeuge und Ersatzmunition nicht herstellen, aber daran denkt das Spiel in weiteren Erweiterungen. Nicht zuletzt gibt es hier Regeln für das „Looten“ von Orten und wie die Spieler auf Durchsuchen würfeln sollten. Leider finden sich detaillierte Regeln, wie alles gemäß den Autoren richtig eingestellt wird, erst im Anhang für den Spielleiter. Dennoch verzögert dieses System das Spiel ein wenig, weshalb Spielleiter meist alles im Voraus vorbereitet haben.
Die folgenden drei Kapitel – Konzerne, Vault-Tec und Commonwealth – beschreiben detailliert die entsprechenden Interessenspunkte, die ideal für die Erstellung einer Geschichte sind:
- Konzerne: Du erfährst, was sie taten, wie sie sich verhielten und in einigen Fällen auch ihr Nachkriegserbe. Es wird immer erwähnt, was nach dem Krieg aus ihnen wurde, und es gibt Vorschläge für Quests oder wie man sie in dein Spiel einbinden kann.
- Vault-Tec: Beschreibt die Prinzipien der Vaults, was passiert ist und wie es darin aussehen sollte. Du findest Vorschläge, wie es in geschlossenen Vaults aussehen sollte, aber auch in bereits verlassenen. Das Kapitel bietet auch Zufallsereignisse und einige Vorschläge für Handlungsstränge.
- Commonwealth: Beschreibt die einzelnen Orte, auf die du im Spiel Fallout 4 stoßen kannst, und gibt Ideen, welchen Feinden die Spieler in einem bestimmten Gebiet am häufigsten begegnen können.
Spielleitung und Bewohner des Ödlands
Der Abschnitt zur Spielleitung versucht auf den folgenden 15 Seiten, den Spielleitern näherzubringen, wie man mit den Regeln arbeitet, insbesondere in Bezug auf Proben, Aktionspunkte und Komplikationen. Aktionspunkte haben nämlich nicht nur die Spieler, sondern auch der Spielleiter, und er sollte sich nicht scheuen, sie einzusetzen, damit das Spiel für die Spieler eine angemessene Herausforderung darstellt. In diesem Abschnitt finden wir auch recht umfangreiche Empfehlungen, wie man den Spielern ein sicheres Umfeld bietet, da die Welt von Fallout ein rauer Ort ist und nicht alle Situationen und Themen für alle Spieler angenehm sein können.

Einige Seiten sind natürlich Empfehlungen gewidmet – wie man Geschichten (vor allem Quests) erstellt und welche Erfahrungspunkte dafür zusammen mit einer „finanziellen Belohnung“ folgen sollten.
Das Spiel selbst ist stark auf das Sammeln und Herstellen von Gegenständen ausgerichtet. Der Kauf von Medikamenten, Waffen und Munition ist nicht gerade billig, aber es ist wirklich notwendig, die Ausrüstungs- und Kaufmöglichkeiten der Spieler im Auge zu behalten, denn wenn sie zu früh an sehr starke Gegenstände gelangen, wird das Spiel keine Herausforderung mehr sein. Ein großartiges Beispiel ist die Schrotflinte, die dank ihrer Effekte eine extrem effektive Waffe ist; unter Spielleitern wird empfohlen, sie erst ab Stufe 5 zuzulassen. Obwohl hier alles verständlich beschrieben ist, fehlen leider praktische Anwendungsbeispiele und einige ergänzende Regeln, die erst in Zusatzmaterialien enthalten sind.
Der Rest des Buches ist den Bewohnern des Ödlands und einem kurzen Beispielabenteuer gewidmet. Du findest hier grundlegende Monster (Ghoule, Mirelurks oder Brahmane), aber auch humanoide Kreaturen (Synths, Raider, Händler oder Zetans), auf die Spieler im Ödland stoßen können. Auch hier blieb Raum für Erweiterungsbücher, die weitere Monster, Herausforderungen und Fraktionen bringen werden.
Fazit
Das Buch sieht sehr gut aus, ist mit vielen passenden Illustrationen durchsetzt und atmet förmlich die Welt von Fallout. Die Regeln mögen für die meisten Spieler, die an klassische Rollenspiele gewöhnt sind, etwas ungewohnt sein, aber nach ein paar Minuten Spielzeit hat sie jeder schnell verinnerlicht.
Die tschechische Übersetzung ist sehr gut gelungen. Bei einigen Wörtern wurde offensichtlich ein Kompromiss gewählt, damit es in der Sprache gut klingt, allerdings ließ mich eine Übersetzung einige Tage nach dem Lesen nicht los. Diese Übersetzung ist das Wort Ochrana (Schutz) im Sinne der passiven Verteidigung (Defense), die die Anzahl der benötigten Würfe für einen Treffer bestimmt. Ich persönlich betrachte eher Rüstungen und Kleidung als Schutz, aber das ist nur ein kleines Detail.
Ich kann das Spiel und das Buch allen Fallout-Fans nur empfehlen, da sie diese großartige Welt zusammen mit Freunden genießen werden und feststellen werden, dass sie noch mehr Freiheit haben als im PC-Spiel.
Jan Ryšlavý
Jan „NurAn“ Ryšlavý vyrostl na klasickém Dračím doupěti 1.5. K hraní se naplno vrátil během pandemie, kdy díky online hraní Dračí Hlídky potkal Želváka. Postupem času společně založili TTRPG server U Želváka, kde NurAn působí jako hráč i vypravěč.
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