Rezension zum Brettspiel Dungeon Fighter: Helden unerwünscht
Schlägst du dich gerne mal auf die dunkle Seite im Kampf gegen das nervige Gute? Das Brettspiel Dungeon Fighter: Helden unerwünscht könnte genau das Richtige für dich sein!
Immer nur für das Team der strahlenden Helden zu kämpfen und der Gute zu sein, ist nicht immer der richtige Weg. Manchmal liegt es in der menschlichen Natur, sich auf die dunkle Seite zu schlagen. Deshalb nutze ich gerne die Gelegenheit, den Bösewicht zu spielen und all diese glänzenden Helden zu vernichten, die nach Frieden und Ruhm dürsten. Sie glauben, sie können ohne Furcht und Tadel in mein dunkles Königreich marschieren und die Welt retten? Pustekuchen!
Wir schreiben das Jahr 1997, im Grunde das Mittelalter der Videospielgeschichte, und die Firma Bullfrog veröffentlicht das Spiel Dungeon Keeper. Darin bist du böse. Du verwaltest einen dunklen Dungeon voller Fallen und Schätze, die du vor Helden verteidigen musst. Diese „Aufbau“-Strategie war ein riesiger Erfolg und wurde zu einer Legende, die bis heute eigentlich niemand übertroffen hat. Das mobile Remake aus dem Jahr 2014 hingegen gehört zu den schlimmsten Beispielen dafür, wie man ein geliebtes Spiel durch Mikrotransaktionen ruinieren kann. Das ging wirklich in die Hose.

Die Brettspiel-Neuheit von Mindoku – Dungeon Fighter: Helden unerwünscht knüpft viel besser an die Vision des berühmten Spiels an. Wieder ist es deine Aufgabe, deine unterirdische Welt und ihre Reichtümer vor Horden ruhmsüchtiger Helden zu schützen.
Wie spielt sich Dungeon Fighter?
Das Prinzip des Brettspiels ist wahrlich genial einfach. Die Spieler wählen aus neun verschiedenen Monsterclans, bereiten den Dungeon nach einem von zwanzig Szenarien vor und tun alles dafür, dass die Helden den goldenen Schatz in der Mitte nicht erreichen. Die Aktionen aller Charaktere werden durch Karten mit einem übersichtlichen Icon-System gesteuert. Es gibt nicht viele Aktionen. Du kannst nach festgelegten Regeln neue Charaktere auf das Spielfeld setzen, dich bewegen, angreifen oder die Aktionen einzelner Räume auslösen, um beispielsweise neue, stärkere Karten für dein Deck zu craften.

Laufend kommen die bereits erwähnten Helden ins Spiel (jeder Typ hat seine spezifischen Fähigkeiten), die dich angreifen und dank einer wirklich cleveren Mechanik von selbst durch dein Reich bis zum Hauptschatz vorrücken. Und das muss um jeden Preis verhindert werden! Das Szenario selbst fügt dann weitere besondere Elemente hinzu, die während des Spiels gelöst werden müssen. Sobald das Spiel keine Heldenkarten mehr hat und dein Schatz immer noch unberührt ist, hast du gewonnen.
Ohne Zusammenarbeit läuft nichts
Die Spielmechaniken sind einfach und übersichtlich. Erfahrenere Spieler können die Regeln in wenigen Minuten erklären. Trotzdem kann Dungeon Fighter ordentlich einheizen. Lass dich nicht vom kindlichen Aussehen täuschen. In erster Linie handelt es sich um ein stark kooperatives Spiel. Du kennst das: Es gibt kooperative Spiele, bei denen die Zusammenarbeit oft eher freiwillig ist und jeder seine eigenen Pläne verfolgen kann. Hier nicht. Zusammenarbeit ist das A und O des gesamten Spiels. Es geht nicht darum, dass du eine bestimmte Karte oder Aktion willst. Solche Gedanken musst du vergessen. Das Spiel versucht dich um jeden Preis zu kriegen und hat dafür genug Mittel. Alles muss darauf ausgerichtet sein, den Boden für den nächsten Spieler zu bereiten. Nutze jede Aktion so, dass der Nächste einen leichteren Weg hat. Wenn du daran nicht denkst, kommst du nirgendwohin.

Ich habe schon einiges gespielt. Ich habe Dungeon Fighter wiederholt mit wirklich erfahrenen Spielern gespielt und trotzdem hat uns das Spiel im ersten Szenario vernichtet, bevor wir begriffen haben, wie man es richtig angeht.
Kleine Schachtel, ein Meer an Spaß
Auf den ersten Blick findest du in der Schachtel nicht viel. Neun Sets aus Holzfiguren der Monster und ihre Kartensets, einige modulare Teile des Spielplans sowie Verbesserungs- und Heldenkarten. Jedes Szenario fügt jedoch dem Spiel eigene Miniregeln hinzu, die das Spiel deutlich verändern. Es gibt zwanzig Szenarien, und bis du am Ende ankommst, liegt ein langer Weg vor dir. Die Variabilität des Spiels ist wirklich groß. Das ist definitiv ein großes Plus. Und wenn du denkst, dass du das Spiel gemeistert hast, erhöhst du einfach den Schwierigkeitsgrad und schon hast du eine neue Herausforderung.

Ein Spiel, das durch sein Aussehen täuscht
Die Autoren haben für das Spiel ein ansprechendes, für viele fast kindliches, visuelles Design gewählt. Das steht in scharfem Kontrast dazu, wie schwierig das Spiel sein kann und wie komplex und fordernd es trotz einfacher Regeln in Bezug auf die Zusammenarbeit ist. Ich dachte oft, dass ihm eine dunklere und erwachsenere Gestaltung besser stehen würde. Dungeon Fighter aus der Welt von Dark Souls? Gerne! Andererseits behält Dungeon Fighter so seine Übersichtlichkeit und du erkennst sofort, was auf dem Spielfeld passiert. Letztendlich ist es eine Frage des Geschmacks. Die visuelle Seite sollte dich auf keinen Fall davon abhalten, das Spiel auszuprobieren, denn es ist es wirklich wert.
Dungeon Fighter ist ein schnelles taktisches Spiel, das eingespielte Spieler erfordert, die zusammenarbeiten können. Es bietet außergewöhnlich große Wiederspielbarkeit und trotz des niedlichen Aussehens, das nicht jedem gefallen muss, bietet es auch erfahreneren Spielern eine überraschend gehaltvolle Portion Spaß. Wirklich eine sehr angenehme Überraschung.
Autor Karel Krajča
Karel Krajča
Šéfredaktor, content creator a organizátor festivalu Fantastická Ostrava. Fanoušek fantastiky, videoher, deskových her a popkultury obecně. Příležitostný milovník malování figurek a craftení všeho druhu. Hudební závislák a amatérský znalec fyziky a matematiky.
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